Menschen- und Arbeitsrechtsverletzungen

Das niedrige Einkommen der Kakaobauern und –bäuerinnen führt zu Verletzungen von Menschen- und Arbeitsrechten auf den Kakaofarmen. Die Kakaobauern und –bäuerinnen können ihren ArbeiterInnen keine ausreichenden Löhne bezahlen, oder ihnen keine angemessene Unterkunft und Gesundheitsversorgung bereitstellen. Die Kakaobauern und –bäuerinnen und ihre Arbeitskräfte sind außerdem gefährlicher Arbeit ohne Gesundheitsschutz ausgeliefert und leider unter mangelhafter Ernährung. Darüber hinaus sind sie teilweise Geschlechter- und ethnischen Diskriminierungen ausgesetzt.  Den Gemeinden fehlt der Zugang zu Bildung, Trinkwasser und effektivem Community Management.

Ausbeuterische Kinderarbeit

Die Veramrung der Kakaobauern bringt sie dazu weitere Wege zu finden, ihre Produktionskosten so weit wie möglich zu senken. Eine unerfreuliche Folge davon ist leider auch, dass Kinder unter ausbeuterischen oder gefährlichen Bedingungen auf den Kakaoplantagen arbeiten. Alleine in der Elfenbeinküste und Ghana, die hauptsächlich für den europäischen Schokoladenmarkt produzieren, arbeiten etwa zwei Millionen Kinder, Hunderttausende von ihnen unter ausbeuterischen Bedingungen.

Ein Viertel aller Kinder im Alter von fünf bis siebzehn Jahren, die in den Kakaoanbaugebieten in Westafrika leben, sind in die Kakaoproduktion eingebunden. In den meisten Fällen arbeiten sie in den Familienbetrieben gemeinsam mit ihren Eltern. Es ist völlig normal, wenn Kinder ihre Eltern unterstützen und so zum Haushaltseinkommen beitragen, aber es ist international inakzeptabel und gilt als ausbeuterisch wenn diese Arbeit der physischen oder psychischen Gesundheit der Kinder schadet, gefährlich ist oder sie davon abhält, die Schule zu besuchen.

Häufige Beispiele gefährlicher Arbeit sind die Arbeit mit gefährlichen Werkzeugen und giftigen Pestiziden und das Tragen schwerer Kakaosäcke – dadurch sind Kinder hohen körperlichen Belastungen und massiven Gesundheitsrisiken ausgesetzt. Kinderhandel ist ein weiteres Problem, das immer noch im Kakaoanbau existiert: Insbesondere in der Elfenbeinküste werden Kinder aus Nachbarländern für wenig Geld von Händlern gekauft und als billige Arbeitskräfte ausgebeutet. Ausbeuterische Arbeitsbedingungen, Kinderhandel und Kindersklaverei sind ernsthafte Menschenrechtsverletzungen und werden nach den Konventionen 182 und 138 der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) als gefährliche Arbeit bzw. schlimmste Formen der Kinderarbeit eingestuft und sind damit verboten.

Das Harkin-Engel-Protokoll

2001 wurde ein internationales freiwilliges Abkommen zur Abschaffung der schlimmsten Formen von Kinderarbeit geschlossen, das sogenannte Harkin-Engel-Protokoll. Zu den Unterzeichnenden gehören u.a. die weltweit größten Schokoladeproduzenten Hershey‘s, Nestlé, Barry Callebaut, Mars, World’s Finest Chocolate, Guittard Chocolate Company, Blommer Chocolate Company und Archer Daniels Midland Company. Eine wesentliche Vereinbarung betraf die Entwicklung eines allgemein anerkannten industrieweiten Standards, der einen Anbau von Kakao ohne Kinderarbeit garantieren sollte. Seither sind mehrere Fristen zur Umsetzung des Protokolls verstrichen. Bis zum heutigen Tag wurden keine wesentlichen Schritte unternommen, um der ausbeuterischen Kinderarbeit auf Kakaoplantagen ein Ende zu bereiten. Das aktuelle Ziel ist die Reduzierung der schlimmsten Formen der Kinderarbeit bis 2020 um 70%.

Photo credits: Pavla Začalová, Ghana 2012 / Daniel Rosenthal/laif, Elfenbeinküste 2008